Rückendeckung von oben: Aufsichtsräte und Corporate Political Responsibility
- BOHNEN Public Affairs

- vor 6 Tagen
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In einem Online-Impuls für BIGL stellte Dr. Johannes Bohnen das Konzept der Corporate Political Responsibility (CPR) vor – mit besonderem Blick auf die Rolle der Aufsichtsräte. Gerade sie könnten viel bewegen, so Bohnen: indem sie eine klare Erwartungshaltung an die Vorstände formulieren und ihnen zugleich Rückendeckung für ein stärkeres gesellschaftspolitisches Engagement geben. Das verschaffe der Unternehmensführung wertvolle Handlungsfreiheit.
Die Grundthese von CPR lautet: Unternehmen sollten im eigenen Interesse in die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen ihres Geschäftserfolgs investieren – denn diese sind nicht einfach gegeben, sondern müssen gepflegt und immer wieder erarbeitet werden. Hintergrund ist ein zunehmend dramatisches demokratisches Bedrohungsszenario: Druck von außen durch Russland, China und Iran, im Westen Trump, eine oft dysfunktionale EU und Desinformation, im Innern Radikalisierung und die AfD. Wie der Verfassungsrechtler Christoph Möllers sinngemäß sagt: Wenn die politischen Systeme ins Schlingern geraten, sind auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen bedroht.
CSR greife seit Jahren zu kurz: Neben sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit müsse auch die politische Nachhaltigkeit in den Blick genommen werden – demokratische Infrastruktur, Debattenkultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt. CPR sei die nächste Stufe der Corporate Responsibility und ausdrücklich kein Akt altruistischer Großherzigkeit, sondern ein Business Case: Wer sich breiter in der Gesellschaft verankert, stärkt Marke und Profil, tritt intensiver mit seinen Stakeholdern in Kontakt und gewinnt strategisch denkende Talente. Denn künftig gebe es keine Strategiefähigkeit ohne politische Kompetenz. Zugleich seien Unternehmen einer der letzten „sozialen Lernorte“, an denen unterschiedliche Generationen, Milieus und Herkünfte noch zusammenkommen.
Zur Umsetzung brauche es zuerst den echten Willen zu einer Haltung: „Eine wahre Haltung ist immer mit Risiken verbunden, sonst wäre es keine Haltung.“ Operationalisiert werde sie im Political Branding – von der politischen Markenbildung, an deren Ende ein zur Gesamtmarke passendes politisches Leitbild steht (wie zuletzt für das Spezialchemie-Unternehmen Evonik entwickelt), bis zur Markenführung in konkreten Formaten. Vier „Low Hanging Fruits“ hob Bohnen hervor: politische Weiterbildung bzw. Demokratie-Coaching, die Stärkung der Diskurskultur (Flaggschiff ist der Business Council for Democracy), CEO Activism als „Tone from the top“ und Employee Activism als Ergänzung aus der Belegschaft.
Dabei erkenne CPR ausdrücklich das Primat des Politischen an; Ziel sei ein in seinen Kernfeldern handlungsfähiger Staat.
Bohnens Appell: mutiger werden. Die Auseinandersetzung zwischen autoritären Regimen und dem „Westen“ habe gerade erst begonnen – es gehe darum, die Errungenschaften der Aufklärung zu verteidigen. Sein Leitsatz bleibt: Die Demokratie braucht Unternehmen – und Unternehmen brauchen die Demokratie.







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